Ia Orana e Maeva - Willkommen auf Tahiti und ihren Inseln
Von Kai Hockenjos
Etwa 17.000 Kilometer und rund 20 Flugstunden von Europa entfernt liegt im Herzen der Südsee Französisch Polynesien.
Größte, bedeutendste und sagenumwobenste aller polynesischen Inseln ist Tahiti mit ihrer Hauptstadt Papeete, die zugleich den Verwaltungssitz stellt.
Tahiti besteht aus den zwei durch eine Landenge verbundenen Halbinseln, Tahiti-Nui (großes Tahiti) und Tahiti-Iti (kleines Tahiti). Die mächtigen Vulkanmassive ragen dabei fast 2000 Meter wie smaragdgrüne Kometen aus dem türkisfarbenen Meer hoch in die Wolken.
Perle des Pazifiks
Das Paradies im Meer, Perle des Pazifiks – Tahiti und die polynesischen Inseln verkörpern wie kein anderer Ort den Traum der verloren geglaubten Ursprünglichkeit. Wie von Götterhand scheinen die 118 Inseln Französisch-Polynesiens ins Meer gesät worden zu sein. Sie erstrecken sich über eine Fläche von vier Millionen Quadratkilometern, was etwa der Größe Westeuropas entspricht, über die fünf Archipele: Marquesas-Inseln, Gesellschaftsinseln, Tuamotu-Archipel, Austral-Inseln und Gambier-Inseln. Alle Archipele gehören als so genanntes Überseeterritorium zu Frankreich. Das Türkis des Pazifiks hat hier eine so intensive Farbe, dass man eigentlich ein neues Wort erfinden müsste. Die sattgrünen Hügel im Inneren der Inseln werden von weißem Korallensand oder schwarzem Vulkansand umrahmt – insgesamt ergibt das Bilder von betörender Schönheit. Schon der französische Maler Gauguin glaubte, auf Tahiti sein Paradies gefunden zu haben, als er im Jahr 1891 nach Polynesien reiste. Dort schuf er farbintensive Bilder von den exotischen Landschaften und Menschen und prägte so einen Stil, der Generationen von Künstlern beeinflusste.
Wissenswertes
Die ersten Siedler auf den polynesischen Inseln waren unerschrockene Seeleute aus Südostasien, die vor annähernd 2000 Jahren mit Doppelpirogen aus Holz und geflochtenen Fasern die Meere überquerten und sich auf den pazifischen Inselgruppen niederließen.
Als offizieller europäischer Entdecker Tahitis gilt der Brite Samuel Wallis, der die Insel 1767 erreichte. Zwei Jahre später landete James Cook auf Tahiti und erklärte die Gesellschaftsinseln zum Besitz der britischen Krone, was für die polynesischen Einwohner fatale Folgen hatte. Neben Krankheiten wie Syphilis und Grippe brachten die englischen Flotten auch Missionare auf die Inseln. Diese christianisierten die Einwohner, was zur Folge hatte, dass die ursprüngliche polynesische Kultur nahezu vollkommen verschwand.
1880 wurde Tahiti französische Kolonie, nachdem es zuvor in der Regierungszeit von Königin Aimata Pomaré 38 Jahre unter französischem Protektorat stand. 1958 wurde aus den französischen Niederlassungen in Ozeanien Französisch-Polynesien, was eine Wende in der Geschichte Tahitis einläutete: Zahlreiche Firmen wurden gegründet, der Dienstleistungssektor expandierte und der Lebensstandard auf Tahiti wuchs – heute ist er der höchste aller Südseestaaten. Der Tourismus spielte bei diesem Aufschwung eine wichtige Rolle – er ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor.
Faa’a, der internationale Flughafen Tahitis, liegt nur etwa 5 Kilometer von der Hauptstadt Papeete entfernt. Hier wird jedem Besucher zur Begrüßung ein duftender Blumenkranz umgehängt. Mit Musik, Gesang und „Ia Orana e Maeva“, was auf Tahiti „Herzlich Willkommen“ heißt, werden die Ankömmlinge von den gastfreundlichen Einheimischen empfangen.
In Papeete paart sich französisches Flair mit pazifischer Exotik. Der bunte Markt und das belebte Zentrum der Stadt laden zu Einkäufen und Besorgungen ein. Beliebte Andenken sind Holzschnitzereien der Marquesas, Muschelschmuck, Tanzkostüme oder „Monoi Tiare Tahiti“, ein Parfüm mit dem lieblichen und berauschenden Duft der Tiare-Blüten, Tahitis Nationalblume, die stets nur bei Tagesanbruch gepflückt werden. Von Papeete aus, dem größten Transithafen des südlichen Pazifik, lassen sich weitere Aktivitäten bestens planen.
Per Auto kann man Tahiti Nui bequem an einem Tag erkunden, führt doch eine etwa 114 Kilometer lange Rundstraße um die Insel. Dabei bieten sich zahlreiche Stopps an.
Die felsige und wilde Ostseite, mit Stränden aus schwarzem Basaltsand, hält spektakuläre Wellengänge bereit, die zum Surfen wie geschaffen sind. Die gemäßigtere Westseite mit ihren stillen Stränden und Lagunen lädt zum entspannen am Meer ein.
Die kurvenreiche Küstenstraße führt durch eine herrliche Tropenlandschaft, vorbei an üppigen Hibiskushecken, Bougainvilleas, Bananenhainen und majestätischen Brotbäumen in Richtung Papeari, etwa 25 Minuten von Papeete entfernt. Hier befindet sich das Gauguin-Museum, das mit einer sehenswerten Hommage zum Leben und Wirken des berühmten französischen Künstlers, der am 8. Mai 1903 in Atuona auf der Marquesas-Insel Hiva Oa verstarb, aufwarten kann. Einen interessanten Einblick in das polynesische Leben vor der Ankunft der Missionare bietet „Te Fare Iamanaha“, das Museum von Tahiti und den Inseln in Punaauia. Wer seiner Liebsten einen Gefallen tun möchte, dem sei ein Besuch im Perlenmuseum in Papeete empfohlen, hier finden sich die legendären Tahiti-Perlen, die unvergleichliche Farbtöne haben und auf der ganzen Welt zu einem Symbol für Eleganz und Schönheit geworden sind. Leider haben diese unwiderstehlichen Preziosen oftmals den Preis eines Mittelklassewagens, doch im Perlenmuseum ist das Träumen nicht verboten.
Zu Fuß oder mit dem Fahrrad
Man kann Tahiti auch bequem zu Fuß oder mit dem Mountainbike durchqueren. Dazu nimmt man sich einen Führer, der den Weg durch das Binnenland ebnet, hinein in das große Papenoo Tal, mit vielen archäologischen Fundstätten und eindrucksvollen Landschaften. Der Aufstieg auf den 2066 Meter hohen Berg Aorai kann auch ohne Führer bewältigt werden, da der Pfad gut ausgeschildert und mit ausgebauten Schutzhütten versehen ist. Der Ausblick auf der Bergspitze ist überwältigend, hier überblickt man alle Gipfel Tahitis, die tiefen Täler in sattem Grün mit ihren tausend Wasserfällen, die ausgedehnte Kette der Atolle wie Tupfer im türkisen Meer, die hoch aufragende Silhouette der Nachbarinsel Moorea mit ihren traumhaften Stränden – ein unglaublicher und unvergesslicher Anblick!
Einen nachhaltigen Einblick in die polynesische Kultur erfährt man eim alljährlichen „Heiva i Tahiti“-Festival, das regelmäßig Ende Juni mit dem „Fête de l’Autonomie Interne“ beginnt, einen Monat andauert und das wichtigste Fest des Jahres darstellt. Das Festival ist keine reine Touristenveranstaltung, sondern zeigt lebendige Volkskultur der Vergangenheit und Gegenwart Französisch-Polynesiens. Jedes Jahr verfolgen große Besucherscharen den klassischen „Umu Ti“ Feuerlauf. Bei dieser geheimnisvollen Zeremonie werden Lavasteine über Stunden hinweg erhitzt. Nachdem die teilnehmenden Tahitianer die Götter ihrer Vorfahren angerufen haben, laufen sie mit Leichtigkeit barfuß über die glühend heißen Steine! Höhepunkte der Sportveranstaltungen sind die Wettkämpfe im Pirogenrudern.
Ausleger-Kanus, die von den verschiedenen Inseln entsandt werden, mit Teams aus drei bis sechzehn Personen besetzt, paddeln über Distanzen von 60 bis 80 Kilometern um die Wette. Es gibt auch Wettkämpfe im Speerwerfen, Kokosnussknacken, Palmenklettern und Steine schleppen. Die wichtigsten Veranstaltungen sind jedoch die Tanzwettbewerbe der professionellen Gruppen und Tanzschulen. Wie die „tatoo marquesa“, die traditionellen Tätowierungen, wurde auch der tahitianische Tanz von den Missionaren als zu erotisch befunden und konnte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur heimlich ausgeübt werden.
Die Ausdrucksstärke und Anmut der Tänzerinnen und Tänzer, die symbolträchtige Gestik und die überaus schönen Kostüme und Blumenkränze sind die besonderen Merkmale der Tahiti-Tänze. Beim „Ori Tahiti“ wechseln sich langsame und schnelle Bewegungen ab, unter Begleitung von Schlaginstrumenten, Gesängen, Gitarren und Ukulelen – eine Komposition, der man sich nur schwer entziehen kann.
Kulinarisches:
Französisch-Polynesien ist nicht nur mit einer üppigen Naturschönheit gesegnet, sondern besitzt auch noch einen paradiesischen Überfluss an Früchten des Meeres und der Erde. So verwundert es nicht, dass die polynesische Küche einen exzellenten Ruf genießt. Im Mittelpunkt stehen Fische (Tunfisch, Bonitofisch, Mahi mahi), ganz unterschiedlich zubereitet (gegrillt, gedünstet, roh). Die polynesische Küche ist eine „sonnige“ Küche, die Meeresfrüchte gerne mit frischem Obst und Gemüse kombiniert. Eine Köstlichkeit ist der „Poisson Cru“, der weltbekannte „rohe Fisch nach Tahiti-Art“, ein in Limone und Kokosmilch eingelegter Tunfisch. Oftmals wird auch direkt auf dem Boot fangfrischer Fisch, mit etwas Limette beträufelt, roh verzehrt. Traditionelle tahitianische Mahlzeiten werden bei Familienzusammenkünften und Festen in einem Ofen gegart, der direkt in die Erde gegraben wird. Die Lebensmittel (Ferkel, Fisch, Früchte des Brotfruchtbaums) werden mit Bananenblättern umwickelt und auf glühende Steine gelegt. Dazu trinkt man cremige Kokosmilch oder das erfrischende einheimische Hinano Bier.
Klima:
Tropisches, durch Meeresbrisen gemildertes Klima, mit bis zu 3000 Sonnenstunden pro Jahr. Man unterscheidet zwei Jahreszeiten: November bis März: heiß und feucht. April bis Oktober: angenehm warm und trocken. Die Wassertemperatur der Lagunen beträgt konstante 26 Grad Celsius.
Sprache:
Die offiziellen Sprachen sind Tahitianisch und Französisch. In den meisten touristischen Zentren wird Englisch gesprochen.
Einreise:
Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise nach Französisch-Polynesien bei einem Aufenthalt von bis zu drei Monaten kein Visum. Der maschinenlesbare Reisepass muss ab dem Einreisedatum noch mindestens sechs Monate Gültigkeit haben.
Geld:
Auf Tahiti und seinen Inseln ist die offizielle Währung der Zentrale Pazifische Franc (CFP oder XPF), der an den Euro gebunden ist. Akzeptiert werden alle Devisen mit legalen Wechselkursen; internationale Kreditkarten (VISA, MasterCard und American Express) sind weit verbreitet.





